Alltäglich Mitgefühl

Seit Tagen klappe ich meinen Laptop auf – klappe ihn wieder zu. Gerade scheint sich weder in meiner Meditation, noch im Leben etwas zu bewegen. Nichts scheint spannend genug, hier beschrieben zu werden. Es tut nicht mehr so weh, ich bin weniger durcheinander und spüre mehr Kraft. Das Leben gönnt mir gerade eine Pause. Das kommt mir persönlich gelegen – reicht aber nicht für die Öffentlichkeit, die ich bedienen möchte.


Der Druck steigt! Es muss sich doch etwas finden lassen, über das man berichten kann. Vielleicht könnte ich die Lethargie beschreiben, die sich neuerdings in der Meditation einschleicht, weil die Notwendigkeit für heilsame Wünsche nicht mehr akut scheint?
 Vielleicht könnte ich schon jetzt damit beginnen, die Metta-Meditation auf andere Menschen auszudehnen, um neue Erfahrungen zu machen, die es zu beschreiben lohnt?
 Vielleicht sollte ich das Projekt aufgeben, fühle ich mich doch besser und – jeder weitere Wunsch – übertrieben und verschwenderisch an.


Immer angespannter starre ich auf den Bildschirm und weiß nicht weiter. Und während die Stunden vergehen, höre ich deutlich, wie ich mich antreibe und verurteile. Höre den inneren Kritiker rufen: »Du hast dir das hier selbst ausgesucht! Jetzt musst du auch etwas leisten, dich anstrengen! So wird das nie was mit dir!«


Plötzlich wird mir klar, dass ich sehr viel darüber schreiben kann, dass ich nichts zu schreiben habe und über den Umstand, wie wenig herzlich und mitfühlend ich der Situation und mir selbst begegne.


Mir wird schlagartig bewusst, dass sich Mitgefühl nicht nur auf akuten Schmerz, tiefe Trauer oder pulsierende Wut anwenden lässt, sondern besonders nötig ist, wenn wir mit diffuser Unzufriedenheit, harscher Selbstkritik, Lethargie oder Unruhe, konfrontiert sind. Dass wir Mitgefühl nicht nur in leidvollen Momenten benötigen, sondern ganz besonders in Situationen, die wir vordergründig als nicht Betrachtens- oder Beschreibenswert erkennen – im Alltag.


Um alltäglichen, unscheinbaren Automatismen auf die Spur zu kommen, braucht es ausreichend Achtsamkeit. Und davon – so möchte ich doch nach 10 Jahren Übung, von mir behaupten können – sollte ich wohl genügend haben!
 Umso erschrockener bin ich, als mir klar wird, wie schwer es mir ohne akutes Leid fällt, alltägliche Anteile in mir zur Kenntnis zu nehmen, die mehr Mitgefühl vertragen könnten. Wie lange und stark die eingefahrenen Reaktionsmuster wirken, bevor sie mir bewusst werden. Dass ich Tage brauche, um zu entdecken, wie wenig Verständnisvoll ich mit mir umgehe. Dass ich mir einbilde in der Meditation ausreichend mit Mitgefühl versorgt zu sein, während ich gleichzeitig nicht bemerke, wie hart und kritisch ich mich behandle.


Werde ich mir all dessen bewusst, erkenne ich deutlich den Teil, der Mitgefühl nötig hat, auch ohne akutes Leid. Ich muss die Praxis nicht ausweiten oder verändern sondern lediglich vertiefen, nicht auf-, sondern mich hingeben. Schaffe ich das auch nur ansatzweise, verwandelt sich die aktuelle Situation. Nicht nur die Liebe fließt besser, sondern auch Worte.


Inzwischen bin ich mir ganz sicher, dass ich auch morgen und übermorgen wieder auf meinem Kissen sitzen werde, um mir Gutes zu wünschen. Möge sich mein Herz für Lethargie, Anspannung und Selbstkritik öffnen. Das macht mich produktiv.


Brauchst Du auch etwas mehr Mitgefühl für Dich selbst? Ich empfehle Dir meine Mini-Metta-Meditation, auf Insight Timer, die Du kostenlos anhören kannst.


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