Liebende Güte, innere Kinder und goldenes Licht – WTF?!

Wenn man liest, wie ich mir selbst gute Wünsche sende, mein inneres Kind tröste und durch die Kraft des Atems, Ärger in Verständnis umwandle, kommen dem ein oder anderen Leser sicher Zweifel an meiner geistigen Gesundheit. Keine Sorge, das ist normal – auch ich zweifle manchmal.

Begegnet man mir dann noch, barfuß mit verklärtem Blick und einem debilen Lächeln auf den Lippen, bei der Gehmeditation im Park oder hört mich davon sprechen, mit welcher Farbe man Wohlwollen abbildet, ist es mit dem Zweifel vorbei. Eines ist sicher: AchtsamKai hebt ab! Dabei hatte er sich doch auf die Webseite geschrieben: Meditation und Achtsamkeit OHNE Einhörner und Räucherstäbchen!


Obwohl ich mich nun schon seit einigen Jahren mit Einhörnern, Räucherstäbchen und dem Prinzip Gott versöhnt habe, stand ich Visualisierung bis vor kurzem noch skeptisch gegenüber. Die Möglichkeit Energien als Licht zu visualisieren, innere Anteile zu personifizieren oder höhere Wesenheiten zu verbildlichen, um Zuflucht zu finden, kam für mich nicht in Frage! Zu abgehoben!


Dabei sind wir bereits Meister der Visualisierung, wenn es darum geht uns zu sorgen, Probleme zu wälzen und in Racheplänen oder Wiedergutmachungsphantasien zu verlieren. Die Wahrheit der unangenehmen Gefühle, die diese Bilder und Gedanken erzeugen, stellen wir nicht in Frage. Werden innere Bilder oder Worte jedoch benutzt, um mit unseren edlen, liebenden Anteilen in Kontakt zu kommen, werden wir skeptisch! Die daraus erwachenden Gefühle der Freundlichkeit, Güte und Liebe können auf gar keinen Fall echt sein! Alles Schwindel. FAKE!


Erst ein Retreat zum Tibetischen Buddhismus öffnete mir die Augen für die Technik und Kraft der Visualisierung. Ich erkannte, dass visualisieren nichts mit phantasieren zu tun hat, sondern innere Anteile und Aspekte, die wir bereits in uns tragen, nach außen stellt, um sie deutlicher sicht- und bearbeitbar zu machen.

Das können zum Beispiel Anteile sein, für die wir uns schämen, die wir verurteilen oder kindliche Anteile, die wir ausblenden, weil der Schmerz zu stark ist. Schaffen wir etwas Abstand zu diesen Anteilen, indem wir sie nach außen stellen, lassen sie sich nicht nur leichter in ihrer Gesamtheit erkennen, sondern auch einfacher annehmen.

Dann sind wir vielleicht davon überrascht, wie traurig die lange eingesperrte Scham uns anblickt und wie froh das innere Kind darüber ist, dass wir uns endlich um seine Verletzung kümmern.


Es ist wie in einem Alptraum, solange wir vor dem Gesichtslosen Monstern fliehen, so lange verfolgen sie uns. Bleiben wir stehen und starren ihnen in die Fratze – geben ihnen ein Gesicht – stellen sie sich meist als harmlos oder anrührend heraus und jagen uns keine Angst mehr ein.


Über die Visualisierung können wir aber nicht nur unsere Schattenanteile besser ausleuchten sonder auch unsere Kräfte und Qualitäten ins Rampenlicht rücken. Indem wir ihnen zum Beispiel Farben oder bestimmte Stofflichkeit zuordnen, fällt es uns leichter mit ihnen in Kontakt zu kommen, ihre Kraft zu erleben und sich mit ihnen zu verbinden.


Auch die guten Wünsche in der Metta-Meditation sind nichts anderes, als eine Art der Visualisierung. Transportmittel für die Gefühle dahinter. Sie dienen dazu, unser Gefühl der Güte und des Wohlwollens zu verbildlichen. Dadurch kommen wir leichter mit den Qualitäten von Metta in Kontakt und haben, durch den Wunsch, gleichzeitig ein definiertes Objekt, welches wir aussenden können.


Es hat also erst ein mal wenig mit Esoterik oder Glauben zu tun, wenn ich in der Metta-Meditation kindliche Verletzungen personifiziere, um sie mit guten Wünschen einzudecken oder das Gefühl des Wohlwollens einfärbe, um es leichter mit meinem Atem nach außen zu senden. Statt dessen dient die Visualisierung als Werkzeug, welches mir dabei hilft, mich mit meinem Welt-Innenraum auseinander zu setzen, Bedrückendes zu verabschieden und Kraft und Liebe zu verdeutlichen.


Verwendest du Visulaisierungen in deiner Praxis oder deinem Alltag? Hast Du Dich schon getraut, Dein inneres Kind anzusprechen und Wohlwollen in bunten Farben zu beschreiben? Hast Du ebenfalls Zweifel oder Angst abzuheben? Ganz bodenständiges Mini-Metta ohne Visualisierungen kannst Du kostenlos auf InsightTimer testen.


#metta365 #mettameditation

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