Wie mich mal ein Salat aus der Fassung brachte

Freude ist ein Nachtschattengewächs. Mit diesem Wissen im Herzen, nahm ich die Talfahrt der letzten Wochen bereitwillig an. Dabei ist in mir etwas herangereift. Nun ist, passen zum Herbst, Erntezeit. Vollendete Gelassenheit, kräftiger Gleichmut und saftige Selbstliebe. Am Ende des Tales wartet eben immer Licht, und in diesem, genieße ich gerade Freude, in Demeter-Qualität.

Ganz gleich, ob das Finanzamt mich mit un(miss)verständlichen Zahlenketten konfrontiert, Autofahrer schreien, weil mein Hinterrad, bei Rot! noch Asphaltkontakt hat oder der Himmel seit Tagen mehr Flüssigkeit verliert, als ich in meinen dunkelsten Zeiten: Ich lächle grenzdebil vor mich hin. Nichts bringt mich aus der Ruhe.


Und dann hatte ich den Salat.

Bio-Blatt-Salat, verschiedene Sorten (Diversität muss sein), gemischt und gewaschen. Doch statt versprochener Frische und feuriger Schärfe, erwartet mich welker Gammel, zwischen den Blättern.

Das Lied auf den Lippen verstummt, der Kater verlässt das Haus, das Kind schließt die Augen. Innerhalb weniger Augenblicke hat sich Gelassenheit in Rage – Gleichmut in Zorn verwandelt.

Die Schultern verkrampft, die Nase angespannt, rüttle ich am Salatsieb. Die enttäuschte Erwartung, wiegt schwer. Massiver Widerstand gegen die Tatsache, die nächsten Monate damit zu verbringen, den Salat nach algiger Biomasse zu durchforsten.


Der Impuls, diesen Mist in den Müll zu hauen, (Nein! Nicht Kompost! Müll!) wächst, ich wünsche der bäuerlichen Zunft die Pestizide an den Hals und werfe meinem Kind in Gedanken vor, mir, in dieser Krisensituation, nicht genügend Beistand zu leisten! Und wo ist eigentlich meine Mutter?! Stressreaktion.


Während es in mir brodelt, stehe ich verwundert an der Spüle und beobachte, wie mich ein Salat aus der Fassung bringt. Statt mich zu verurteilen und an der Praxis zu zweifeln, schenke ich mir selbst ein kleines Metta-Lächeln und schaue dem Gewitter geduldig dabei zu, wie es sich auflöst.


Am Ende sind Hersteller und Kind unbeschadet davon gekommen. Nur der Salat endete, vom Hochleistungsmixer zur Schnecke … äh … Smoothie gemacht, im Glas.


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